News / Tagebuch

Ostern für Piro und Matrixz - gemeinsam statt einsam

Eintrag von Piro und Matrixz


Samstag - 31. März 2007 - ein Tag wie jeder andere. Ein völlig normaler Tag also... wirklich völlig normal? Im Prinzip schon, doch irgendwo in einem kleinen brandenburgischen Städtchen machte sich ein kleiner Piro auf eine große Reise. 600 Km lagen vor ihm, doch irgendwie würde er diese lange Distanz schon zu überwinden vermögen. Er schwang sich also auf sein treues Ross, welches er liebevoll "Die Bahn" nannte und das sich ausschließlich von 33-Euro-Tickets ernährte. Auf seiner langen Reise hatte er viele nette Gefährten, angefangen von randalierenden Herta BSC Berlin-Fans bis hin zu einer netten russischen Dame, welche er auf seinem treuen Ross mitnahm. Denn für ein 33-Euro-Ticket trägt dieses auch locker mehrere Personen... nach kurzer Zeit, nur knappe 10 Stunden später, mussten sich die Gefährten in Stuttgart allerdings trennen, denn von nun an ging jeder seine eigenen Wege. 40 Minuten noch, und Piro würde seine holde Maid, die er seit Weihnachten nicht gesehen hatte, endlich wieder in seine arme schließen können. Voller Freude stieg er also letztendlich die allerletzten die Treppenstufen hin - blickte sich kurz um - und endlich... war niemand da! Nanu? Ein kurzer Anruf klärte die Situation, im hiesigen Supermarkt "Kaufland" war das Blumenchaos ausgebrochen und so musste er warten, bis sie sich durch die Ranken geschlagen hatten und zu ihm eilen konnte. Naja, aber nun genug Geschichten erzählt, Lasst uns euch von unseren zwei gemeinsamen Wochen vom 31.3 bis 15.4. 2007 berichten.


Knicklichter sind nichts für kleine Piros


Samstagabend beschlossen Piro und ich, uns mit Kai und Chy zum Essen in einem italienischen Lokal zu treffen.
In der mehr oder weniger romantischen Atmosphäre des Sparlichtes, das anscheinend von Ratten in Laufrädern angetrieben wurde, wählten wir sorgfältig unsere Speisen aus.
Kai und meine Wenigkeit bestellten uns kurzerhand einfach jeweils eine Pizza und ein großes Getränk, während Piro und Chy eine Weile herumüberlegten und schließlich Nudeln bestellten.
Eines muss man den Italienern lassen – auch wenn sie fahren, als gäbe es keine Verkehrsregeln und kein Fußballspiel ohne Unmengen von Schwalben gewinnen können, Essen - das können sie zubereiten. Nach dem vorzüglichen Abendmahl erlaubten wir uns, Herrenberg – das verschlafenste Nest ever, das meint, um halb 9 den Bordstein hochklappen zu müssen – unsicher zu machen.
Jeder von uns erhielt ein Knicklicht, das man eigentlich zum Angeln benutzt, als „Wegleuchter“. Obwohl man bezweifeln mag, dass die Helligkeit doch ausreichend ist, um als Taschenlampe zu fungieren. Zunächst passierten wir den hiesigen Marktkauf und promenierten am Joachimsberg vorbei. Während wir diesen Weg entlangbummelten, kam mein lieber Piro auf die stumpfsinnige Idee, das Knicklicht wirklich zu „knicken“. In seinem Falle hieß dies, es so lange zu knicken, bis es durchbrach... (Ich fragte mich, ob ich den Warnhinweis auf der Packung überlesen hatte, in dem stand, dass man Knicklichter unzugänglich für Piros unter 20 Jahren aufbewahren sollte...)
Gerade, als wir den Joachimsberg heruntergekommen waren, versetzte er dem malträtierten Knicklicht den Gnadenstoß und beschädigte die Plastikhülle. Die blaue Flüssigkeit übte einen anziehenden Reiz auf Piro aus und er wollte seine neue Erkenntnis allen mitteilen. Des Weiteren kam er auf den Geschmack, seinen Begleitern die Flüssigkeit auch noch in die Haare schmieren zu wollen, um zu beobachten, wie es leuchtete. Die aufgekommene Begeisterung hierfür legte sich jedoch schnell, als das Leuchten verebbte. Schließlich erreichten wir den Teich unseres Gymnasiums und legten dort eine lange Pause ein.
Nunja, als Pause konnte man dies ja nicht wirklich bezeichnen. Zunächst wollte Kai in unsere Schule nebenan einbrechen, um auf den Vertretungsplan zu sehen, doch als ihm die absurde Idee kam, ein Geist könnte im Schulhaus sein, ließ er es doch bleiben und schwenkte ab. Irgendwann versenkte er auch noch sein Knicklicht im Gymmiteich und wir beschlossen wenig später, weiterzumarschieren und schlichen – oder besser stolperten – den Ortsrand entlang, bis wir schließlich bei mir daheim ankamen.
Dort amüsierten wir uns erst einmal noch über einige Videos, in denen sich „Frau Kim Simone Schwäglers“ Lehrerqualitäten präsentierten.
Und so endete der erste gemeinsame Abend für Piro und mich.


„Odyssee im Sterncenter“ oder: „Wo steckt nur Matrixz’ Ma?“


Am Dienstag geschah es nun, dass Matrixz und ich uns nach Sindelfingen begaben, um im dortigen „Sterncenter“ schoppen zu gehen. Die Idee kam uns übrigens ganz spontan. Was? Ihr glaubt mir nicht? Na gut, ihr habt ja Recht, es war gar nicht unsere Idee…
Im Grunde war es nämlich ein „erweiterter“ Familienausflug, an dem Matrixz, ihre Ma, ich, die Nachbarin sowie ihre zwei lieben Quälgeister teilnahmen. Wir waren wie eine richtige Familie: Wir teilten uns nach kurzer Zeit in Grüppchen auf und schlenderten die langgezogene, etwas konfus gestaltete Passage entlang, ohne auch nur ansatzweise zu wissen wo sich die jeweils andere Gruppe befand. Aber das war mir und Matrixz erst einmal egal, waren wir doch recht glücklich darüber zu zweit die Geschäfte abklappern zu können. Im Schnelldurchlauf wurden die Modegeschäfte links und rechts liegengelassen, denn irgendwie verspürte niemand von uns Lust darauf vor einer überfüllten, viel zu kleinen Kabine Schlange zu stehen… Schmuckgeschäfte, Krims-Kram-Shops und diverse kleinere Geschäfte erregten da schon eher unser Interesse. In einem der Läden wurden ausschließlich PC- und Konsolengames sowie Merchandising zu jenen verkauft – ideal zum langen Stöbern, insbesondere da auch tonnenweise gebrauchte Spiele, die vielen schon vor langer Zeit aus dem Gedächtnis entschwunden sein dürften, zu Spottpreisen hier verhökert wurden. So kaufte sich Matrixz auch das allererste Gameboyspiel in ihrem Leben, und sie hat bis heute viel Spaß daran. Den passenden Handheld hatte ich ihr ja bereits am Samstag bei der Ankunft geschenkt. Nach ca. 30 Minuten verließen wir das Geschäft endlich und nahmen uns die anderen Etagen vor, allerdings ohne wirklich etwas zu finden, was wir gebrauchen könnten. So wurde es uns einmählich öde, und wir beschlossen nach Matrixz’ Ma und dem Rest der Bande zu suchen. Wir begaben uns auf eine schier endlose Odyssee, ohne auch nur eine Haarsträhne der gesuchten Personen am Horizont erblicken zu können. Dabei war das Center nicht mal so groß… Nachdem wir drei Mal erfolglos die Etagen abgeklappert hatten und durch die brütende Hitze unter akutem Flüssigkeitsmangel zusammenzubrechen drohten, gaben wir die Suche schließlich auf - ich beschloss den langweiligen Weg zu wählen und sie einfach mal anzurufen. Zwei Minuten später trafen wir sie dann an einem Shop, den wir schon x-mal durchsucht hatten und dessen Anblick uns deshalb besonders frustrierte. Zur Erholung gingen wir nun allesamt in ein Eiscafee, ließen uns erschöpft nieder und bestellten erst einmal einen Eisbecher für jeden. Leider war Matrixz nach all den Strapazen nicht mehr in der Lage gescheit lesen zu können und bestellte einen Becher für uns, der sich als viel zu alkohollastig und brechreizfördernd herausstellte und nur verrührt mit Vanilleeis einigermaßen ertragen werden konnte. Nebenbei legte uns ein taubstummer Mann „I love you“ – Schlüsselanhänger auf den Tisch, für welche wir ihn selbstverständlich entlohnten und uns die neue Errungenschaft dann gegenseitig schenkten. Ganz im Sinne des Geschlechterklischees schenke ich Matrixz jenen Anhänger mit blauem band, ich hingegen erhielt - wie es sich für echte Kerle gehört - jenen mit dem roten.
So schön der Tag auch war, er näherte sich nun langsam dem Ende und wir begaben uns auf den Heimweg. Matrixz’ Mutti ergatterte noch schnell eine Jacke für einen Euro, welche nur so günstig war da der Artikel seit langem nicht mehr im Kassencomputer existierte. Diese hatte sie auch bitter nötig, denn außerhalb des Centers war es kalt geworden und wir veranstalteten ein munteres Wettzittern. Geschlagene 20 Minuten warteten wir auf den Bus, in welchen uns ein Kontrolleur noch wegen nicht ausreichendem Ticket vollmotzte. So wurde aus mir für die Dauer dieser Fahrt Matrixz’ Bruder, und ihre Mutter überlegte eine lesbische Beziehung mit der Nachbarin anzufangen. Also alles ganz im Sinne einer richtigen Familie. Aufgrund der verspäteten Abfahrt verpassten wir im übrigen auch den Anschlusszug und durften weitere 30 Minuten in der beinahe polaren Kälte ausharren….
Wir besuchten auf dem Rückweg nun noch ein weiteres Center in Böblingen, in dem sich außer Werbegeschenke bekommen, Bücher kaufen und Frustfressen bei Nordsee nichts wirklich Interessantes mehr ereignete. Irgendwann am Abend kamen wir dann doch noch völlig entkräftet Zuhause an, ließen uns ins Bett fallen und freuten uns auf die weiteren gemeinsamen Tage.


Happy Ostern


Sonntag, 08. April. Nachdem Piro und Matrixz die halbe Nacht lang AoW gezockt hatten, und sich am Ostersonntag schließlich aus dem Bett bewegten, wurde in aller Ruhe gefrühstückt und geduscht.
Nach stundenlangem Badblockieren und endloser Kaffeesauferei wurden irgendwann gegen Mittag (Mittag... es war sicherlich nach 13 oder 14 Uhr) die Geschenke untereinander verteilt.
Hier im Groben eine Auflistung der Ausbeute für jeden:

Piro: 1 Plüschfrosch
1 Kissen
1 Packung Fotolabels

Matrixz: 2 Bilderhalter
1 Händyanhänger
1 Schlüsselanhänger
1 Packung Mon Cherry (Genau das Richtige für eine Alkoholikerin)
1 Katzentasse
1 Riesenholzkatze für die Sammlung (1 Meter groß und Handgeschnitzt. Das war erstmal ne Arbeit, die auszupacken. Und für Piro war es eine Heidenarbeit, die herzuschleppen)
1 Plüschkätzchen (Ja, alle Indizien deuten darauf hin, dass ich ein heimlicher Katzenfan bin)
1 Kissen (nein, diesmal ohne Katze...denn davon habe ich schon eines.)
1 Plüschfee

Meine Ma: einen ganzen Haufen Plüschschweine und eine Plüschfee. Besonders über Piros „Ossischwein“ hatte sie sich gefreut, zumal sie ja selten Geschenke aus dem „fernen Osten“ erhält.

Mein Pa begnügte sich mit Duschgel, Aftershave und einem Plüschpuma für den LKW.

Das war im Groben und Ganzen die gesamte Ausbeute, wobei ich – Matrixz – wohl am besten weggekommen bin, obwohl ich eigentlich viel weniger erwartet hätte. Vor allem die Holzkatze hatte meine kühnsten Erwartungen übertroffen, da ich mit einer etwas kleineren Ausführung gerechnet hätte.
Wie dem auch sei, irgendwann beschlossen wir, meinen Großeltern einen Spontanbesuch abzustatten. Wie immer ging es dort zu wie zu Kriegszeiten: Meine Oma sagte etwas (dummes), mein Opa keifte, meine Oma bellte zurück, Opa keifte wieder. Das geht dort schon seit ich denken kann so zu.
Wie dem auch sei, das Pirolein schien sich zu langweilen und so musste das Elfchen mit ihm hinaus in die heiße Welt ziehen, um ihm die Langeweile zu vertreiben und ihm die Fremde näher zu bringen. So zerrte das Elfchen ihn durch sämtliche Nebengassen des kleinen, verschlafenen Ortes oder besser gesagt Nestes, und sprang vor ihm davon, schubste ihm in die Büsche, trat ihn – und all dies tat sie, um ihn zu unterhalten und der Langeweile zu berauben. Aber dem kleinen Piro schien dies immer noch nicht genug Abwechslung zu sein. Also erbarmte sich das Elfchen seiner und zerrte sie ihn weiter hinter sich her, bequatschte ihn und irgendwann wurde er müde. Er schien genug Input erhalten zu haben, um still zu sein und so begaben wir uns wieder zurück zu unserem Ausgangspunkt.
Nach weiteren Stunden zwischen Konversation, Keifen, Kaffeetrinken und gelegentlichem Fernsehen, fuhren wir dann wieder nach Hause und ließen den Rest des Tages dahinschreiten.


Die Wüste Stuttgart


Am Dienstag, dem 10. April 2007 begann der Morgen für uns zwei relativ zeitig. Grund dafür war in diesem Fall, dass ich schon die letzten beiden Male, als ich bei Matrixz war, mit ihr in Stuttgart schoppen gehen wollte, und dies gedachte ich nun endlich einmal in die Tat umzusetzen.
So machten wir uns nach kurzem Frühstück also mit der S-Bahn auf den Weg, und erreichten bereits 40 Minuten später unser Ziel.
Nach kurzem Fußweg in der Einkaufsstraße angekommen, machten wir eine entsetzliche Entdeckung: Wir hatten vergessen uns Getränke einzupacken!!! Matrixz überkam der Durst, kein Wunder, war es hier doch schließlich 27°C warm und verwunderlicher Weise kaum ein Wind zu spüren. In ihrer Notlage erinnerte sich meine Süße schließlich an eine nicht allzu weit entfernte Mc Donalds - Filiale, in deren Richtung wir nun geradewegs spurteten. Wir ließen die unzähligen Geschäfte, von dem jedes zweite ein Modegeschäft zu sein schien, links und rechts von uns liegen und erreichten schließlich unser Ziel – zumindest hätte ich das an dieser Stelle gerne geschrieben. De facto war aber weit und breit von Mc Donalds nichts zu sehen, denn dort, wo es einst so erhaben über die nebenstehenden Gebäude und Gassen throne, war nun nichts mehr seines ehemaligen Glanzes zu sehen. Lediglich der heiße Staub einer Baustelle war von dieser Oase in der Einkaufswüste Stuttgarts übrig geblieben, und so setzten wir, nach Flüssigkeit lechzend, unsere beschwerliche Reise fort. Entkräftet hielten wir nun Ausschau nach einem x-beliebigen Geschäft, doch weit und breit war außer weiteren Myriaden von Modegeschäften nichts zu sehen. Erst nach einem weiteren Kilometer an den Kräften zehrenden Fußweg konnte wir inmitten dieser Einöde, die trotz allem durch tausende Menschen belebt erschien, endlich ein Eiscafe entdecken, in welchem wir uns mit völlig überteuerten Milchshakes vor dem Verdursten retteten.
Sie schmeckten zwar nicht außergewöhnlich, jedoch erfüllten sie ihren Zweck. Dass wenige Meter weiter ein Geschäft zu finden war, in dem es richtige Getränke zu normalen Preisen zu kaufen gab, ist eine andere Geschichte und sei hier nur am Rande erwähnt – Durst macht blind.
Nach all diesen Strapazen gingen wir nun der Beschäftigung nach, wegen welcher wir eigentlich hierher gekommen waren: Dem Schoppen. Uns zog es durch allerlei Buchhandlungen, in welchen wir unsere Sammlung an gedruckten Werken bereicherten, aber auch durch Technikgeschäfte, Tierhandlungen, Supermärkte, Comicläden, Fast Food -Restaurants und viele weitere geldaufzehrende Märkte. Jeder fand etwas was ihm gefiel, und nach all den Strapazen schritten wir schließlich am späten Nachmittag durch den stadtinternen Erholungspark, in dessen Mitte sich ein Teich befand in dem wir vor allem handzahme Schwäne und Enten beobachteten. Um die Untiefe des grünlich schimmernden Wasser zu testen, krempelte ich die Ärmel hoch und streckte meinen rechten Arm todesmutig gen Boden. Dabei machte ich eine erstaunliche Entdeckung: Sage und schreibe 1½ Fingerlängen war dieser gewaltige Ozean tief!
Während ich überlegte Tauben für das Abendessen zu fangen (*gg*), fotografierte Matrixz ein wenig die Gegend. Aber wir entschieden uns dann doch für ein paar schnelle Burger bei Mc Donalds, so kamen die gefiederten Tiere noch einmal mit dem leben davon.
Die Reste des Essens wollten im Übrigen nicht einmal die gehörlosen Vögel verzehren… ja es hat geschmeckt.
So langsam wurde es Abend, und wir reisten mit unserem Standartgefährt zurück in Richtung Heimat. Obwohl wir die ganze Zeit im Zug stehend verbringen mussten, kann man doch sagen das es alles im allem ein schöner Tag gewesen ist.


The final countdown


Die Zeit erwies sich als gnadenloser Gegner für Piro und mich, und so näherte sich unser letzter gemeinsamer Tag in diesen Ferien.
Viel zu knapp waren diese Tage für unsere Verhältnisse bemessen, denn wir konnten leider nicht alles tun, was wir uns vorgenommen hatten. Doch statt darüber zu trauern, machten wir uns noch einen letzten, schönen Tag.
Ich lud Piro auf Zwingen meiner Mutter (sie bestand wehement darauf, da ich ja so ein Geizhals bin) am frühen Nachmittag zu einem Eis in meinem Lieblingscafé ein.
Mein Begleiter genoss sein Eis mit heißen Himbeeren, während ich mich über meinen selbst zusammengewürfelten Becher hermachte. Gott allein weiß noch, welche Eissorten ich da in mich hinein schlang – ich habe es schon längst wieder verdrängt, in Erinnerung an mein damaliges Kampfgewicht.
Während wir unser Eis tranken – die Temperaturen waren sehr eisunfreundlich - lauschten wir einer Stadtführung, die neben uns die alten Fachwerkhäuser kommentierte. Die Touristen waren sehr angetan von ihren fabelhaften Maren/Märchen, welche die Frau ihnen auftischte und waren wie hypnotisiert. Auch auf mich hatte ihre seltsam einlullende Stimme ihren Einfluss und ermüdete mich langsam, aber stetig. Erst, als ihr Redefluss versiegte, wachten die armen Zuhörer aus ihrer Trance auf und applaudierten geistesabwesend. Vermutlich waren sie froh darum, dass sie nun erlöst waren.
Wie dem auch sei, ich zahlte wenig später und Piro und ich verschwanden wieder nach Hause.
Dort erwartete uns wenig später ein wahres Knoblauchmassaker. Nein, der Knoblauch rebellierte nicht, sondern schrie eher um Hilfe... denn meine Mutter war in der Küche am Knoblauchzerhacken. Und dies ging auf eine unschöne Art und Weise von statten. Als der Knoblauch auf grausame Art getötet wurde, kam er letzen Endes noch ins ewige Kochtopf-Fegefeuer – angereichert mit Öl. Auch die Nudeln – Leidensgenossen der Knoblauchzehen – die ebenfalls vorher bereits leiden mussten, fanden ihren Weg ins Fegefeuer und zusammen wurden sie auf ihr finales Schicksal vorbereitet – den Teller von Piro. Kein Tod hätte grausamer für sie sein können...
Wie ein ausgehungerter Wolf stürzte er sich auf seine Mahlzeit und schlang unerbittlich alles herunter, was mit Knoblauch in Berührung gekommen war. Ein Anblick, den man selten hat...
Nach dem ausgiebigen Abendessen verzog ich mich zusammen mit meinem Begleiter in mein Zimmer und wir genossen die letzten Stunden zusammen.

Der nächste Morgen ging eher wortkarg von statten. Piro hatte am Vorabend zwar schon den meisten Teil seiner Habseligkeiten gepackt, doch ein kleiner Rest musste immer noch irgendwo untergebracht werden. Auch das Frühstück wurde im Eilflug hinter sich gebracht und der lange Weg zum Bahnhof, wo das treue Ross auf Piro wartete, wurde angetreten. Jeder von uns war mit Taschen und/oder Rucksäcken beladen und wir schleppten uns mühselig bis zu unserem Ziel. Dort angekommen hatten wir noch kurz Zeit, um uns voneinander zu verabschieden. Wenn ihr euch jetzt vorstellt, wir beide wären solch ein schnulziges Paar, das sich noch stundenlang in den Armen liegen, Sturzbäche heulen und schmalzige Sachen zuflüstern würde, habt ihr euch getäuscht. Lediglich ein paar vereinzelte Tränen meinerseits liefen, doch mehr auch nicht, denn die Hoffnung auf ein Wiedersehen ließ uns fast jede Trauer vergessen.

Und so endeten zwei wundervolle Wochen.


Piro und Matrixz
19.5.07 21:03
 


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen


Gratis bloggen bei
myblog.de